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Prednisolon: Antworten auf die 15 häufigsten Fragen zum Gluco­corticoid

Apotheker-Auskunft zur Einnahme, zum Ausschleichen und zu Nebenwirkungen von Prednisolon

Glucocorticoide (auch Glukokortikoide) sind Steroidhormone, die in der Nebennierenrinde produziert werden. Zu den natürlichen Glucocorticoiden zählen Cortison, Cortisol und Corticosteron. Glucocorticoide haben diverse physiologische und therapeutische Wirkungen: Sie beeinflussen den Stoffwechsel, den Wasser- und Elektroly­thaushalt, das Herz-Kreislaufsystem und das Nervensystem. Ferner wirken sie entzündungshemmend und unterdrücken die Immunreaktionen des Körpers. Dadurch werden überschießende und schmerzhafte Entzündungs­reaktionen abgeschwächt. Vor allem wegen dieser beiden letzteren Wirkungen werden Glucocorticoide künstlich hergestellt und als Medikamente eingesetzt, welche umgangssprachlich unter dem Sammelbegriff Kortison bekannt sind. Weil sie Immunreaktionen unterdrücken werden synthetische Glucocorticoide zum Beispiel bei schweren allergischen Reaktionen (anaphylaktischem Schock, allergisches Asthma), nach Organtransplantationen oder bei Autoimmun­krankheiten (z.B. Multiple Sklerose, Rheumatoide Arthritis und Psoriasis) eingesetzt. Die entzündungshemmenden Eigenschaften der Medikamente hingegen können zum Beispiel die Beschwerden bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa, lindern. Apotheker Andreas Binninger beantwortet die 15 häufigsten Fragen zum synthetischen Glucocorticoid Prednisolon.

Wir hoffen, die Informationen in diesem Artikel sind hilfreich und bitten Sie, diese lediglich als solche wahrzunehmen. Dieser Artikel ersetzt keinen professionellen ärztlichen Rat. Falls Sie Bedenken zu Ihrer Medikation haben, sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt oder Apotheker. Dies ist besonders wichtig, falls Sie mehrere Medikamente einnehmen oder bestehende Risikofaktoren oder Unverträglichkeiten haben.

  1. Was ist Prednisolon?
  2. Wie wird Prednisolon angewandt?
  3. Wann sollte Prednisolon eingenommen werden? Morgens oder abends?
  4. Wie schnell wirkt Prednisolon?
  5. Ich habe eine Überdosierung an Prednisolon genommen. Was kann ich dagegen machen?
  6. Was ist eine Prednisolon Stoßtherapie?
  7. Welche Nebenwirkungen hat Prednisolon?
  8. Was ist bei einer Langzeitbehandlung mit Prednisolon zu beachten?
  9. Wie kann ich Prednisolon absetzen? Werde ich Entzugserscheinungen haben?
  10. Kann ich Prednisolon während der Schwangerschaft einnehmen?
  11. Kann ich Prednisolon während der Stillzeit einnehmen?
  12. Kann ich mit Prednisolon Auto fahren?
  13. Kann ich mit Prednisolon Alkohol trinken?
  14. Kann ich mit Prednisolon Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol einnehmen?
  15. Besitzt Prednisolon Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Lebensmitteln?

1. Was ist Prednisolon?

Prednisolon ist ein Glucocorticoid zur inneren und äußeren Anwendung. Es wird zur Behandlung von rheumatischen Erkrankungen wie chronischer Polyarthritis (der „rheumatischen“ Entzündung von Gelenken), chronisch entzündlichen Darm­erkrankungen (wie Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa), Autoimmunerkrankungen wie Kollagenosen sowie allergischen oder entzündlichen Augenerkrankungen eingesetzt. Darüber hinaus wird Prednisolon auch zur Behandlung von Bronchial- und Lungenerkrankungen wie beispielsweise COPD, Herzkrankheiten wie Herzbeutel­entzündung und einigen weiteren Erkrankungen wie der Nebennieren­schwäche verwendet.

Angeboten wird Prednisolon in Form von Tabletten, Zäpfchen, Injektionslösungen, Cremes, Salben, Lösungen, Augensalben und Augentropfen. Arzneimittel mit diesem Wirkstoff unterstehen ohne Ausnahme der Verschreibungspflicht.

Prednisolon ist die Wirkstoffbezeichnung. Im Handel wird es unter den Namen Decortin®, Prednisolut®, Solu-Decortin H® oder unter generischen Bezeichnungen, wie zum Beispiel Prednisolon GALEN®, Prednisolon acis® oder Prednisolon ratiopharm® vertrieben.

2. Wie wird Prednisolon angewandt?

Mit Prednisolon werden sehr unterschiedliche Erkrankungen behandelt, daher unterscheiden sich auch die Dosierungen, die Dauer der Therapie und dadurch das Nebenwirkungsrisiko (siehe Welche Nebenwirkungen hat Prednisolon?).

  • Bei einer einmaligen Stoßtherapie mit Prednisolon (siehe Was ist eine Prednisolon Stoßtherapie?) besteht ein geringes Nebenwirkungsrisiko. Bei regelmäßiger Behandlung von Krankheitsschüben durch Gulokortikoid-Stoßtherapien sind jedoch typische Nebenwirkungen möglich.
  • Bei einer Hormonersatztherapie mit Prednisolon wird der Körper mit der Menge an Glucocorticoiden versorgt, die er unter normalen Umständen produzieren würde. Bei Beachtung der empfohlenen Dosierungen besteht daher nur ein geringes Nebenwirkungsrisiko.
  • Bei einer Dauertherapie mit Prednisolon, z.B. um Abstoßungs­reaktionen nach einer Organtransplantation zu kontrollieren, ist fast immer mit Nebenwirkungen zu rechnen. Daher werden vom behandelnden Arzt zusätzliche Medikamente verschrieben, um Nebenwirkungen zu reduzieren oder zu vermeiden, z.B. Vitamin D und Kalzium, um gegen Osteoporose vorzubeugen. Besondere Vorsicht ist bei einer langfristigen Einnahme von Prednisolon geboten, wenn man schwanger ist, Magengeschwüre, Osteoporose, Infektionserkrankungen, grünen Star oder eine Thromboseneigung hat. Eventuell kann Prednisolon unter diesen Umständen nicht eingenommen werden oder es werden vom Arzt Schutz­maßnahmen gegen eine Verschlechterung der Erkrankung ergriffen. Auch durch plötzliches Absetzen nach einer längerfristigen Einnahme können Beschwerden auftreten (siehe Wie kann ich Prednisolon absetzen?)
  • Bei einer Lokaltherapie (z.B. mit Augensalben oder Hautcremes, die Prednisolon enthalten) sind auch die zu erwartenden Nebenwirkungen in der Regel eher lokal, da deutlich geringere Mengen in den Körper gelangen, als bei der Einnahme von Tabletten. Dennoch sollen diese Medikamente nicht zu häufig oder auf Dauer angewandt werden (siehe Besitzt Prednisolon Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Lebensmitteln?).

3. Wann sollte Prednisolon eingenommen werden? Morgens oder abends?

Die innerliche Anwendung sollte früh morgens (6-8 Uhr) erfolgen. In den frühen Morgenstunden liegt das Maximum der körpereigenen Cortisonproduktion, sodass die Verträglichkeit zusätzlich zugeführten Cortisons besser ist.

4. Wie schnell wirkt Prednisolon?

Etwa eine bis zwei Stunden nach der Einnahme von Prednisolon wird der höchste Blutspiegel erreicht. Je nach Schwere und Krankheitsbild, kann es jedoch mehrere Stunden oder Tage bis zum deutlichen Nachlassen der Symptome dauern. Eventuell muss die Dosis bei nicht ausreichender Wirkung angepasst werden.

5. Ich habe eine Überdosierung an Prednisolon genommen. Was kann ich dagegen machen?

Akute Vergiftungen durch Prednisolon sind nicht bekannt. Die versehentliche Einnahme einer weiteren Tablette führt in der Regel nicht zu Problemen. Bei starker Überdosierung können u.a. Störungen des Immunsystems und des Elektrolythaushaltes auftreten, die gegebenenfalls ärztlich behandelt werden müssen.

6. Was ist eine Prednisolon Stoßtherapie?

Bei verschiedenen Erkrankungen kann es sinnvoll sein, den Heilungsprozess mit einer hohen Dosis Prednisolon zu beginnen, die schnell wirkt. Diese wird Zug um Zug reduziert, um die Nebenwirkungen möglichst gering zu halten.

7. Welche Nebenwirkungen hat Prednisolon?

Die Nebenwirkungen von Prednisolon sind sehr stark von der Dosis und Therapiedauer abhängig (siehe Wie wird Prednisolon angewandt?). Vor allem bei einer hochdosierten Langzeittherapie (siehe Was ist bei einer Langzeitbehandlung mit Prednisolon zu beachten?) können folgende Nebenwirkungen auftreten:

  • Bluthochdruck (dosisabhängig)
  • Psychische Veränderungen (z.B. Euphorie, depressive Episode)
  • Störung der Sexualhormonsekretion und des -abbaus (bei Frauen Menstruationsstörungen, Hirsutismus; bei Männern Impotenz)
  • Muskelschwäche und -schwund (z.B. Kraftlosigkeit, dünne Arme und Beine)
  • Veränderter Fettstoffwechsel (stammbetonte Gewichtszunahme, auch im Gesicht, Nacken)
  • erhöhtes Thromboserisiko
  • Veränderung des Blutbildes
  • Knochenschwund (Osteoporose), Knochennekrose (z.B. Hüftnekrose)
  • Atrophie der Haut, Dehnungsstreifen, Akne, Hauteinblutungen (Hämatome), schlechte Wundheilung
  • Erhöhung des Blutzuckerspiegels, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Einlagerung von Flüssigkeit aus dem Gefäßsystem (Ödeme)
  • Kaliummangel, Verminderte Vitamin D-Produktion, verringerte Calcium-Resorption aus dem Darm und gesteigerte Ausscheidung in der Niere, Natrium wird im Körper zurückgehalten
  • Erhöhte Infektionsgefahr (Virus-, Pilz-, Bakterieninfektionen)
  • Augenprobleme (z.B. Katarakt, Glaukom)
  • Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüre
  • Allergische Hautreaktionen bei einer äußerlichen Anwendung (Salbe)
  • Bei Kindern: Wachstumshemmung
  • Bei der Anwendung von Prednisolon als Inhalativ: Mundsoor (Infektion der Mundschleimhaut), Heiserkeit (zur Vorbeugung den Mund nach jedem Sprühstoß ausspülen)
  • Siehe auch Besitzt Prednisolon Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Lebensmitteln?

Für die optimale Verträglichkeit halten Sie sich bitte strikt an die Einnahme am frühen Morgen zu oder nach einer Mahlzeit. Treten dennoch Nebenwirkungen auf, sollten Sie Ihren Arzt konsultieren und nach einer Dosisanpassung befragen. Bei Nebenwirkungen sollte Prednisolon nicht schlagartig abgesetzt werden (siehe Wie kann ich Prednisolon absetzen?).

8. Was ist bei einer Langzeitbehandlung mit Prednisolon zu beachten?

Prednisolon hat bei Erwachsenen eine sogenannte Cushing-Schwellen-Dosis von 7,5 mg/Tag. Das bedeutet, dass bei Dosen über diesem Wert ein Cushing-Syndrom ausgelöst werden kann. Viele der bereits erwähnten Nebenwirkungen (siehe Welche Nebenwirkungen hat Prednisolon?) sind Symptome des Cushing-Syndroms. Eine langfristige, unbehandelte Cushing-Erkrankung führt häufig zum frühzeitigen Tod, oft durch hohen Blutdruck und Herzüberlastung.

9. Wie kann ich Prednisolon absetzen? Werde ich Entzugserscheinungen haben?

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Kortison wird in der Regel bei längerer Therapie ausgeschlichen, da die körpereigene Produktion von Cortisol nach wenigen Tagen bereits eingeschränkt ist und schrittweise wieder angeregt werden muss. Den optimalen Zeitpunkt wird Ihr Arzt anhand Ihres Beschwerdebildes festlegen und mit Ihnen die optimale Dosisreduktion besprechen.

Kurzzeitbehandlungen mit niedrigen Dosierungen können auch ohne Ausschleichen durchgeführt werden. Nach Langzeitanwendung kann das Absetzen zu einem erneuten Aufflammen der Erkrankung führen, es kann zu unzureichender Funktion der Nebennierenrinde kommen, ferner zu einem Kortison-Entzugssyndrom, das sich unter anderem in Muskel- und Gelenkschmerzen äußern kann.

10. Kann ich Prednisolon während der Schwangerschaft einnehmen?

Eine Anwendung von Prednisolon in der Schwangerschaft sollte nur bei dringender Indikationsstellung erfolgen. Bei Langzeitanwendung können Wachstums­störungen des Fetus auftreten. Zum Ende der Schwangerschaft hin besteht für den Fetus die Gefahr von Nebennieren­schäden.

11. Kann ich Prednisolon während der Stillzeit einnehmen?

Prednisolon geht in die Muttermilch über. Schädigungen sind zwar bisher nicht bekannt, dennoch wird geraten, insbesondere bei höheren Dosen abzustillen.

12. Kann ich mit Prednisolon Auto fahren?

Bisher sind keine Beeinträchtigungen der Fahrtüchtigkeit bei der Einnahme von Prednisolon bekannt geworden.

13. Kann ich mit Prednisolon Alkohol trinken?

Geringe Mengen Alkohol bei der Einnahme von Prednisolon sind unbedenklich. Größere Mengen können die Nebenwirkungen des Cortisons verstärken.

14. Kann ich mit Prednisolon Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol einnehmen?

Die Kombination von Prednisolon mit Paracetamol und Ibuprofen ist möglich. Bei der Einnahme von nichtsteroidalen Anti­rheumatika (NSAR) wie Ibuprofen besteht ein erhöhtes Risiko für Magen- /Darmblutungen in Kombination mit Prednisolon, weshalb eine Überwachung und gegebenenfalls Dosis­anpassung empfohlen wird.

15. Besitzt Prednisolon Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Lebensmitteln?

Wechselwirkungen bestehen mit zahlreichen Medikamenten. Ihr Verordner sollte deshalb genauestens über Ihre Medikamente informiert sein.

Unter anderem treten folgende Medikamente in Wechselwirkungen mit Prednisolon:

Bei der Einnahme von Prednisolon sollte Glyzyrrhizin nicht regelmäßig verzehrt werden, da es scheinbar ein Enzym hemmt, welches Cortisol abbaut. Glyzyrrhizin ist in starker Lakritze (mit einer hohen Glycyrrhizin­konzentration von 0,2 g/100 g oder mehr) und in Süßholz­präparaten (z.B. gegen Husten, in Apotheken erhältlich) enthalten.


Wir hoffen, die Informationen in diesem Artikel sind hilfreich und bitten Sie, diese lediglich als solche wahrzunehmen. Dieser Artikel ersetzt keinen professionellen ärztlichen Rat. Falls Sie Bedenken zu Ihrer Medikation haben, sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt oder Apotheker. Dies ist besonders wichtig, falls Sie mehrere Medikamente einnehmen oder bestehende Risikofaktoren oder Unverträglichkeiten haben.

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