„Ich habe mich lange Zeit geschämt, doch heute weiß ich: Diese Narben sind ein Teil von mir. Teil meiner Geschichte.“

Gastautorin Désirée erzählt von ihrem Kampf gegen die Colitis Ulcerosa, den Spuren, die die chronisch-entzündliche Darmerkrankung in Form von Narben hinterlassen hat und ihrer gewonnenen Erkenntnis zum Umgang mit diesen Narben.

Désirée Marie Fehringer
Désirée Marie Fehringer
2. März 2018
Löwe liegt anmutig auf einer Wiese; leichte Narben im Gesicht

So gut wie jeder von uns hat welche: Die Rede ist von Narben. Manche Narben fallen dabei sehr ins Auge – andere hingegen weniger. In ihrem Gastbeitrag erzählt Désirée Marie Fehringer von ihren Narben, die sie von ihrem Kampf gegen die chronisch-entzündliche Darmerkrankung Colitis Ulcerosa davongetragen hat. Lange Zeit hat sie sich für diese Narben geschämt. Heute jedoch steht sie nicht nur zu ihren Narben, sondern ist auch dankbar: Denn ohne ihre Narben, die von vielen Operationen zeugen, wäre sie heute vermutlich nicht mehr am Leben. Mittlerweile hat Désirée ihren Körper und die vermeintlichen Makel akzeptiert, schämt sich nicht mehr für ihre Narben und geht selbstbewusst durchs Leben. Jede Narbe erzählt eine Geschichte – eine Geschichte, auf die Désirée Marie stolz ist, weil sie den Kampf mit der Krankheit aufgenommen und überstanden hat.

10 Jahre begleitet sie mich jetzt schon, meine chronisch-entzündliche Darmerkrankung Colitis Ulcerosa. Neben jeder Menge Schmerzen und Krankenhausaufenthalte hat sie mir auch einige Operationen (inzwischen über 10 Stück) und damit ziemlich viele Narben beschert. Und nein, ich spreche hier nicht von niedlichen, kleinen minimalinvasiven Operationen mit Centstückchen-großen-Narben, sondern eher von so ziemlich riesigen Überbleibseln über den ganzen Bauch verteilt. Dazu kommen noch ein paar hübsche, fette Dehnungsstreifen am Oberschenkel (von den Cortisoneinnahmen) und ein paar kleine, zarte Närbchen am Hals (von den Schläuchen der zentralen Venenkatheter über die ich mit flüssiger Nahrung und Schmerzmittel versorgt und damit am Leben gehalten wurde), die ich liebevoll meine „Vampirbisse“ nenne. Ja, das klingt nach ganz schön viel. Ist es auch. Und nein, ich finde sie auch heute nicht alle unbedingt supersexy und ich habe mich lange Zeit sehr für sie geschämt. Aber heute weiß ich: Diese Narben sind ein Teil von mir. Ein Teil meiner Geschichte. Sie zeigen die Spuren meines Kampfes. Eines Kampfes gegen eine chronische Erkrankung. Sie zeigen aber auch, dass ich all das, was mich oft fast umgebracht hätte, überlebt habe! Weil ich den Kampf nie aufgegeben habe! Und darauf sollte man doch eigentlich verdammt stolz sein oder?

Aber anstatt zu meinen Narben und damit irgendwie auch zu meinem Kampfgeist und Durchhaltevermögen zu stehen, waren auch mir viele Jahre lang meine Narben unglaublich peinlich und unangenehm. Im Schwimmbad, am Strand oder in der Sauna sah man mich nur im Badeanzug. Um bauchfreie Oberteile machte ich einen weiten Bogen. Und lernte ich jemanden kennen, versteckte ich meinen Bauch mit all den unschönen Narben so lange es irgendwie ging unter Kleidchen, Pullovern und T-Shirts. Mich nackt zu zeigen fiel mir unfassbar schwer. Manchmal tat es mir ja sogar selbst noch weh, mich so im Spiegel zu sehen: Wie sollte da jemand anders nicht den Schrecken seines Lebens bekommen? Und wie sollte mich jemals wieder jemand schön finden, wenn nicht mal ich selbst es tat?

Und genau DAS ist der Punkt! Selbstakzeptanz, Selbstbewusstsein und Selbstliebe. Wenn du willst, dass jemand anders dich so mag, wie du bist, dann solltest du das auch tun. Nein, du musst dich nicht von heute auf morgen supersexy finden und du musst beim Blick in den Spiegel auch nicht „Wow geil!“ denken. Aber du musst lernen, dich so zu akzeptieren wie du bist. Und dich dann Stückchen für Stückchen (wieder) selbst mögen. Mit allen Ecken, Kanten, Narben und vermeintlichen Makeln. Der eine findet seine Ohren zu groß, seine Nase zu dick, seine Haare zu dünn, die andere ihre Brüste zu klein, ihren Hintern dafür zu groß .... So sind wir Menschen. Meistens ein bisschen unzufrieden, (die einen mehr und andere weniger) und meistens ziemlich unfair gegenüber unserem eigenen Körper.

„Ja, das sind Narben und sie sind ein Teil von mir. Sie erinnern mich an schlimme Zeiten, in denen mein Leben hätte vorbei sein können, aber hey ich habe das alles überstanden, diesen Kampf gekämpft und überlebt und das ist alles was zählt!“

Auch ich hatte eine zeitlang über eine Schönheitsoperation nachgedacht. Bis ich zu dem Schluss gekommen bin, dass es wohl nach so vielen OPs ganz schön bekloppt wäre, mich nochmal freiwillig, einfach so unter’s Messer zu legen, meinem Körper eine Narkose und einen Eingriff anzutun, der medizinisch sowasvon überhaupt gar nicht notwendig ist. Heute bin ich unglaublich dankbar über diese Einsicht und, dass ich nie diese komplett unnötigen, fahrlässigen Risiken einer Schönheitsoperation eingegangen bin. Trotzdem bin auch ich nicht immer und an jedem Tag gleich zufrieden mit mir, meinem Körper und meinen Narben. ABER der riesengroße Unterschied zu früher (vor ein paar Jahren) ist, dass ich mich heute wirklich nicht mehr dafür schäme. Es ist nun mal, wie es ist. Das kann und werde ich in diesem Leben nicht mehr ändern können und ich lebe deutlich besser damit, wenn ich es einfach akzeptiere und mich lieber auf meine Stärken konzentriere, anstatt auf meinen „Schwächen“ herumzutrampeln. Ich kann inzwischen ganz entspannt in einem Bikini am Strand liegen und, wenn jemand erschrocken auf meinen Bauch schielt, denke ich mir nur: „Ja das sind Narben und sie sind ein Teil von mir. Sie erinnern mich an schlimme Zeiten, in denen mein Leben hätte vorbei sein können, aber hey ich habe das alles überstanden, diesen Kampf gekämpft und überlebt und das ist alles was zählt!“


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