Neue Therapien für Multiple Sklerose: Diese Medikamente wirken gegen Symptome der MS

Es gibt neue Therapiemittel auf dem Markt – sie verlangsamen den Krankheitsverlauf und wirken gegen Symptome. Dabei sollen weniger Nebenwirkungen auftreten

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Lisa

Bei der Behandlung der Multiplen Sklerose sind im letzten Jahrzehnt bemerkenswerte Fortschritte erzielt worden. Neu zugelassene MS-Medikamente wie Rebif, Tecfidera, Aubagio und Gilenya haben sich als wirksam erwiesen, um das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen und die Zahl der Schübe, die viele Menschen erleben, zu verringern. Ocrevus, das 2017 zugelassen wurde, hat eine neue Ära der B-Zell-gerichteten Behandlung eingeleitet, die bei Patienten mit primär progredienter MS (PPMS) helfen kann. Hier sind einige neue Medikamente – die in Kürze verfügbar sein könnten – aufgelistet.

Zu MS mit schubförmigem Verlauf kommen diese Arzneien auf den Markt

Die meisten Medikamente werden auf schubförmig verlaufende Formen der MS angewendet, wie das klinisch isolierte Syndrom, die schubförmig remittierende MS und die sekundär progressive MS mit Schüben (auch „aktive SPMS“ genannt).

Ärzte und Patienten finden eher eine wirksame Behandlung, wenn eine Auswahl besteht: Der Zugang zu mehr Medikamenten mit verschiedenen Wirkungsmechanismen und Verabreichungsformen (wie der Selbstinjektion, der oralen Einnahme oder der Infusion) hilft dabei, individuelle Bedürfnisse zu decken.

Da Forscher mehr darüber erfahren, wie diese Mittel MS-Symptomen entgegenwirken, werden derzeit Medikamente entwickelt, die wirksamer sind als zuvor. Sie verursachen außerdem weniger oder weniger schwere Nebenwirkungen. Das macht die Therapie für Patienten angenehmer. Einige Arzneien werden bereits von Aufsichtsbehörden (wie der FDA in den USA und der EMA in Europa) geprüft und könnten bald verfügbar sein.

Ozanimod

Ozanimod ist der Wirkstoff von Zeposia, einem Immunsuppressivum. Die Kapseln sind für die orale Einnahme bestimmt und können einmal am Tag eingenommen werden. Das Medikament wurde im März 2020 in den USA für die Behandlung schubförmiger Formen von MS bereits zugelassen. Dennoch hat Bristol Myers Squibb (BMS) die Markteinführung aufgrund der Coronavirus-Pandemie bis Anfang Juni hinausgezögert.

In Europa wird Zeposia noch immer von der EMA geprüft, wobei die Entscheidung in Kürze erwartet wird.

Wie das Novartis-Duo aus Gilenya (Wirkstoff Fingolimod) und Mayzent (Wirkstoff Siponimod) ist Zeposia ein Sphingosin-1-Phosphat (S1P)-Rezeptor-Modulator. Dieser vermeidet den Übertritt von Lymphozyten aus den Lymphknoten ins Blut und in das zentrale Nervensystem – auf diese Weise wirkt er selektiv immunsuppressiv. Laut BMS ist die Behandlung mit Zeposia einfacher als mit Gilenya und Mayzent. Denn nach der ersten Dosis erfordern diese beiden Arzneien genetische Tests und kardiovaskuläre Überwachung. Darauf kann bei Zeposia verzichtet werden. Angesichts der Umstände durch die Pandemie, wie der (zumeist) erforderlichen Distanzierung, möchte BMS betonen, dass Zeposia wahrscheinlich weniger Klinikbesuche erfordert.

Sowohl Zeposia als auch Mayzent (zugelassen 2019) sollen ein besseres Sicherheitsprofil als das ältere Medikament Gilenya (2010 von der FDA zugelassen) aufweisen. Außerdem sollen sie eine größere Wirkung bei der Verringerung kognitiver Symptome wie Konzentrationsschwierigkeiten haben.

Ponesimod

Im März 2020 beantragte Janssen die FDA- und EMA-Zulassung für einen weiteren S1P-Rezeptor-Modulator: Ponesimod – ebenso zur Behandlung schubförmiger Formen von MS. Wie bei zuvor erwähnten Medikamenten verhindert der Wirkmechanismus von Ponesimod, dass Immunzellen, die sogenannten Lymphozyten, die Lymphknoten verlassen. Dadurch werden sie daran gehindert, in den Blutkreislauf zu gelangen und das Gehirn und Rückenmark zu erreichen, was dazu beiträgt, die Schädigung des Myelins zu verringern, Rückfallraten zu senken und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.

Wie Ozanimod (Zeposia) und Siponimod (Mayzent) ist Ponesimod Teil einer neuen Welle von S1P-Rezeptor-Modulatoren, die selektiver sind als das ältere Medikament Fingolimod (Gilenya). Insbesondere zielen S1P-Rezeptor-Modulatoren auf den Sphingosin-1-Phosphat-Subtyp 1 ab, weshalb sie auch als S1P1-Rezeptor-Modulatoren bezeichnet werden. Diese Selektivität ist hilfreich, um Nebenwirkungen auf andere Körperteile wie z.B. das Herz-Kreislauf-System zu verhindern.

Janssen hat die Zulassung nach einer klinischen Studie der Phase 3 beantragt, in der Ponesimod mit Aubagio (Wirkstoff Teriflunomid) verglichen wurde. Die Studie ergab, dass Ponesimod bei der Verringerung der Schübe um etwa 30% wirksamer war als Aubagio. Janssen betont auch, dass Ponesimod wirksamer bei der Reduktion der Müdigkeit (Fatigue) war, die im Fragebogen „Fatigue Symptoms and Impacts Questionnaire-Relapsing Multiple Sclerosis“ (FSIQ-RMS) erhoben worden ist. Fatigue ist ein häufiges Symptom, das andere MS-Symptome wie Sehstörungen oder Konzentrationsschwierigkeiten verschlimmern kann und so Personen mit Multipler Sklerose beeinträchtigt.

Es wird erwartet, dass die FDA im Laufe des Jahres 2020 eine Entscheidung über die Zulassung von Ponesimod treffen wird.

Ofatumumab

Ofatumumab ist der Wirkstoff von Arzerra, einem monoklonalen Antikörper, der bereits zur Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) zugelassen ist. In einer im Mai 2020 veröffentlichten Studie übertraf Ofatumumab (das im Falle der Zulassung unter einem anderen Namen für MS freigegeben wird) Aubagio in Bezug auf die Therapie von Schüben, Progund Hirnläsionen.

Von den zugelassenen MS-Medikamenten ähnelt Ofatumumab dem Wirkmechanismus von Ocrevus am meisten, da es auf ein Molekül namens CD20 abzielt, um B-Zellen abzubauen. Einer der Hauptunterschiede zwischen den Arzneimitteln ist die Art der Verabreichung: Ocrevus wird alle sechs Monate intravenös infundiert, während Ofatumumab alle vier Wochen subkutan (unter die Haut) injiziert wird. Ein großer Vorteil des letztgenannten Verfahrens besteht darin, dass es zu Hause und nicht in einer Klinik durchgeführt werden kann. Das bedeutet zwar eine für Patienten größere Verantwortung hinsichtlich der Einhaltung der Vorschriften, dürfte aber für viele Menschen geeignet sein.

Ein weiterer wichtiger Unterschied besteht darin, dass Novartis, der Hersteller von Tatumumab, sich auf schubförmig verlaufende Formen der MS spezialisiert, während Ocrevus auch für die Behandlung der primär progredienten MS (PPMS) zugelassen ist. Es bleibt abzuwarten, ob Novartis die Erprobung von Tatumumab bei Personen mit PPMS, die etwa 10% bis 15% aller MS-Fälle ausmachen, durchführen wird.

Novartis hat die FDA- und EMA-Zulassung für Ofatumumab im Februar 2020 beantragt. Eine Entscheidung der FDA steht im September aus, während das Urteil der EMA für Anfang 2021 erwartet wird.

Diese Medikamente sollen für fortschreitende MS zugelassen werden

Während mehrere Medikamente für schubförmig verlaufende Formen der MS, wie schubförmig-remittierende MS und aktive SPMS zugelassen sind, ist derzeit nur Ocrevus zugelassen, um den Krankheitsverlauf der primär-progredienten MS (PPMS) zu behandeln.

Darüber hinaus gibt es eine Marktlücke bei der Behandlung von Menschen mit sekundär-progredienter MS ohne Schübe (nicht-aktive SPMS). Früherkennung und Arzneimittel sollen dazu beitragen, Menschen mit nicht-aktiver SPMS vor Symptomen schubförmig-remittierender MS zu bewahren. Währenddessen suchen Forscher weiterhin nach Möglichkeiten, den Verlauf der Krankheit zu verlangsamen.

Ibudilast

Im Juli 2019 kündigte MediciNova an, dass ein von ihnen als „MN-166“ bezeichnetes Medikament (Wirkstoff Ibudilast) Teil einer klinischen Studie der Phase 3 für Patienten mit nicht-aktiver SPMS sein würde.

In einer früheren Phase-2b einer Studie für Patienten mit PPMS, aktiver SPMS und nicht-aktiver SPMS stellte MediciNova fest, dass Ibudilast das Risiko, eine Schwerbehinderung davonzutragen, um 46% gesenkt hat: Dieser Wert wurde mittels EDSS bei Patienten mit nicht-aktiver SPMS gemessen und ergab sich im Vergleich zu einem Placebo.

Das Medikament selbst wird zweimal täglich oral verabreicht und hilft, Entzündungen im Gehirn zu reduzieren. Sein Wirkungsmechanismus könnte es zu einer Behandlungsoption für andere Erkrankungen machen, einschließlich der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS).

Die Ergebnisse der Phase-3-Studie werden wahrscheinlich darüber entscheiden, ob MediciNova die Zulassung von MN-166 zur Behandlung von nicht-aktiver SPMS beantragt.

Hochdosiertes Biotin (MD1003)

Biotin ist ein B-Vitamin, das als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich ist. MD1003 ist eine hochdosierte Formulierung, die für die Behandlung von progressiver MS erprobt worden ist. MD1003 kann dazu beitragen, Enzyme zu aktivieren, die an der Produktion und Synthese von Myelin beteiligt sind. Sie helfen bei der Reparatur von Schäden.

Eine Phase-3-Studie mit der Bezeichnung MS-SPI zielte darauf ab, Beeinträchtigungen zu mindern. Gemessen wurde entweder mit EDSS oder anhand der Zeit, die benötigt wurde, um 25 Fuß zu gehen – insbesondere bei Patienten, die unter einer Gehbeeinträchtigung litten.

Nach zwei Jahren hatten 15% der Teilnehmer, die MD1003 eingenommen hatten, ihre Leiden verringert.

Im März 2020 teilte MedDay, das Unternehmen, das MD1003 herstellt, jedoch mit, dass eine grössere Folgestudie namens SPI2 die positiven Ergebnisse der ursprünglichen Studie nicht bestätigt habe.

Es bleibt abzuwarten, ob MedDay MD1003 weiterhin für die Behandlung von progressiver MS untersuchen wird.

Wie geht es mit der MS-Behandlung weiter?

Die in diesem Artikel erwähnten Medikamente sind nur eine Handvoll von denen, die zur Behandlung von Multipler Sklerose entwickelt werden.

Alternativ können Sie auch ein Auge andere Quellen werfen, wie z.B:

MyTherapy App für die Behandlung von Multiple Sklerose

So geht Medikation mit Multiple Sklerose richtig einfach

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