Frühe Symptome der Multiplen Sklerose: Erkennen Sie die Anzeichen

Sie haben viele Ausprägungen: Die MS-Symptome im Anfangsstadium

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Lisa

Typische Symptome der Multiplen Sklerose gibt es nicht. Denn die MS erfasst die meisten Bereiche des zentralen Nervensystems und das löst eine Vielzahl unterschiedlicher Symptome aus. In einem frühen Stadium treten diese meist überraschend auf – als vereinzelte Symptome oder zusammen mit anderen in ungleichen zeitlichen Abständen, Formen oder Verbindungen. Wie soll man denn dann wissen, dass es Multiple Sklerose ist? Es gibt häufig vorkommende Frühanzeichen, die Ihnen erste Indizien liefern.

Fatigue, Erschöpfung und schwache Konzentration

Das Müdigkeitsgefühl entsteht durch eine Art Kurzschluss zwischen freilie­genden Axonen (Nervenbahnen), an denen die Myelinschicht beschädigt ist. Die Erschöpfung tritt dann häufig sehr plötzlich auf: MS-Patienten fühlen sich kraftlos und schwer.

Treten Erschöpfung und Müdigkeit häufig, in chronischer Form auf, spricht man von einem Fatigue-Syndrom. Das müde Gefühl wirkt sich leistungs­reduzierend aus: Körperlich, kognitiv und emotional fühlen sich Patienten mit Fatigue stark geschwächt.

Laut der Deutschen Fatigue-Gesellschaft hilft gezieltes körperliches Training die Aktivität im Alltag zu steigern. Mehr Bewegung im Alltag – gezieltes Treppensteigen, Spaziergänge, kurze Radfahrten – wirkt gegen die Müdigkeit. Das Zusammenspiel von Ausdauer- und Krafttraining unter Anleitung ist eine wirksame Therapie bei MS-Patienten mit Müdigkeitssymptomen. Unterstützende Sportarten sind zum Beispiel Schwimmen, Nordic Walking oder Yoga, da diese eine moderate Anstrengung erfordern. Wie man das Training jedoch am besten an die individuelle MS-Therapie anpasst, sollte mit dem Arzt des Vertrauens besprochen werden, um Überanstren­gungen vorzubeugen.

Gefühlsstörungen und Kribbeln

Da Nervenent­zündungen Auslöser von Symptomen der Multiplen Sklerose sind, berichten viele Patienten von Taubheits­gefühlen, „Kribbeln“, pelzigem Gefühl in den Fingern oder Kraftlosigkeit in Beinen, Armen und Händen.

Gefühls- und Sensibilitäts­störungen zeigen sich laut verschiedenen Studien bei 30% bis 50% der Personen mit Multipler Sklerose. Die Symptome können Gehen, Stehen, die Feinmotorik sowie die sexuelle Aktivität des Patienten bereits im Anfangs­stadium der Multiplen Sklerose beeinträchtigen.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, Sensibilitätsstörungen zu behandeln. Äußern sie sich während Schüben, hilft eine Schubtherapie mit Kortison. Auch Übungen aus der Physio­therapie eignen sich für die Linderung von Missempfindungen – beispielsweise stimulieren Bürsten oder ein Igelball Berührungsreize. Patienten sprechen auf verschiedene Behandlungen an: Temperatur­wechsel durch Duschen oder Eisbäder und Massagen werden für die Therapie eingesetzt.

Seh- und Augenbewegungs­störungen bei Multipler Sklerose

Sie äußern sich bei rund 30% der Patienten als Erstsymptom.

Die Personen sehen verschwommen, haben Schmerzen bei Augenbewegungen und bzw. oder Schwierigkeiten dabei, Farben zu erkennen. Die meisten Symptome verschwinden anfangs nach einigen wenigen Tagen wieder. Bei schwereren Fällen kann sich die Dauer des Auftretens der Symptome bis zu mehrere Wochen hinauszögern.

Schenken Sie Veränderungen Aufmerksamkeit und besprechen Sie diese mit Ihrem Hausarzt.

Grundsätzlich gibt es bei den meisten MS-bedingten Sehstörungen zwei Ursachen:

  • Eine Sehnerv-Entzündung (Optikus-Neuritis) zeigt sich anhand einer geringeren Sehschärfe bis zu einem vollständigen Sehverlust, der bei häufig auftretenden Entzündungen des Sehnervs entstehen kann. Das verschwom­mene Sehen, die veränderte Farb­wahrnehmung, Schmerzen im betroffenen Auge oder sogenannte Gesichts­feldausfälle (Flecken bei der Bildwahrnehmung) können ebenso auf einen entzündeten Sehnerv zurückzuführen sein.
  • Auch andere Stellen der Hirnnerven können sich entzünden und die Bewegung der Augen beeinträchtigen. MS-Patienten nehmen in diesem Fall beispielsweise doppelte Bilder, verschwommene Sicht, Gleichgewichtsstörungen oder ein Augenzittern (Nystagmus) wahr. Dieses Zittern führt zu Scheinbe­wegungen der Umwelt (Oszillopsien) und stören oft den Blick auf einen Bildschirm oder beim Lesen.

Um Sehstörungen zu behandeln, sollten Sie in erster Linie Ihren Augenarzt konsultieren. Eine Kortison-Stoßtherapie (hohe Dosierungen) beschleunigt das Abklingen der Entzün­dungen. Innerhalb von vier Wochen kann jedoch auch unbehan­delt eine spontane Besserung eintreten.

Spastik und Störungen der Koordination

Krampfartige Lähmungen sowie Koordinationsstörungen sind ebenfalls bei fast 30% der Menschen mit Multipler Sklerose als anfängliche Symptome festgesellt worden. Bei einer „Spastik“ erhöht sich die Spannung im Muskel – er wird steif.

Die Symptome äußern sich verschieden. Bei einer Muskelhypertonie kann die unwillentliche Anspannung zu Muskelsteifheit oder steifen Gelenken führen. Schnell aufeinanderfolgende Muskelkon­traktionen (Klonus) oder Krämpfe oder eine Störung der Sehnenreflexe können ebenfalls Symptome der Spastik sein. Diese können insgesamt verursachen: Schmerzen durch Muskel­verspannungen, Krämpfe in den Gliedmaßen, dadurch bedingte Schlaflosigkeit oder die Beeinflussung von Bewegungen wie Gehen oder Sprechen.

Bei der Behandlung von Spastik zielen Ärzte und ihre Patienten darauf ab, die Mobilität im Alltag aufrecht­zuerhalten und Schmerzen zu lindern.

Physiotherapie ist dabei ein wichtiger Bestandteil der Behandlung, da gezielte regelmäßige Übungen helfen, die Beweglichkeit zu fördern und Muskeln zu stärken. Durch Haltungs- und Dehnungs­einheiten können die MS-Symptome gelindert werden. Dabei unterstützen Sie auch Yoga und Meditationsübungen.

Vor der Therapie Ihrer Symptome sollten Sie sich mit Ihrem Arzt absprechen. Gegebenenfalls eignen sich bei der Unterstützung der Behandlung von Spastik auch orthopä­dische Hilfsmittel und bei schweren Formen der Spastik kann sich eine Operation als letztmöglicher Ausweg anbieten.

Patienten mit fokaler Spastik (tritt nur in kleinen Bereichen auf) oder jene, die nicht auf oral einnehm­bare Arzneien ansprechen, haben die Möglichkeit, sich Neurotoxine oder Muskelre­laxantien zu injizieren. Neurotoxine sind Nervengifte, die in den Muskel gespritzt werden und zu die Spannung lösen. Die Wirkung hält bis zu vier Monaten an. Die Muskelre­laxantien werden dagegen intrathekal verabreicht, d.h. ein Katheter wird in den Bereich, der das Rückenmark umgibt, eingeführt und das Medikament wird über eine Infusions­pumpe zugeführt.

Auch ein häufiges Erstzeichen für Multiple Sklerose: Störung der Blasenaktivität

Neurogene Blasenstörungen treten im Krankheitsverlauf bei ca. 70% der Patienten auf: Ursache dafür sind entzündete Nerven, die das Zurückhalten des Urins in der Blase steuern. Die Speicherfunktion der Blase wird gestört. Das äußert sich in Inkon­tinenz, häufigem Harndrang oder verzögerter Blasen­entleerung. Die Nerven befinden sich im Gehirn und in Bereichen des Rückenmarks.

Bei der medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapie von Blasen­störungen sollten Sie einen Arzt konsultieren. Gerade im Anfangsstadium können Patienten mit eigener Verhaltenssteuerung gut gegen Blasenstörungen wirken: Regelmä­ßiges ausreichendes Trinken, vorbeugende Toilet­tengänge, Kontrolle von Trink- und Urinmengen in einem Tagebuch oder Beckenbo­dengymnastik sind mögliche Therapie­optionen.

Was tun, wenn diese Symptome häufig auftreten?

Bevor Multiple Sklerose festgestellt wird, müssen viele andere Krankheiten als Ursache der Symptome ausgeschlossen werden, die die Anzeichen anders erklären könnten. Andere infektiöse Erkran­kungen oder Entzündungs­prozesse und entzündlich-demyelinisierende Erkrankungen werden beim Diagnose-Vorgang berücksichtigt.

Die aufgelisteten Anzeichen entstehen nicht zwingend durch Multiple Sklerose. Sollten Sie die MS-Frühsymp­tome bei sich feststellen und nicht erklären können, denken Sie daran, mögliche andere Ursachen mit Ihrem Arzt durchzugehen.


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