Hilfe gegen Depressionen: 3 Dinge, die entscheidend sind

Was hilft eigentlich gegen Depressionen? Uwe Hauck lebt seit Jahren mit Depressionen und hat diese mittlerweile erfolgreich unter Kontrolle gebracht. 3 Punkte, die aus seiner Sicht entscheidend sind.

Uwe Hauck
Uwe Hauck
8. August 2018
Rettungsring, Hilfe, Depressionen

Uwe Hauck spricht und schreibt über Depressionen. Ein Thema das ihm sehr am Herzen liegt, da er selbst mit Depressionen lebt. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie langwierig der Therapie-Weg bei Depressionen sein kann und, dass es häufig mehrere Anläufe für eine erfolgreiche Therapie braucht. Denn jeder muss für sich herausfinden, welche Therapie ihm hilft und wie er mit der Depression ganz individuell umgehen kann. Drei Punkte hält unser Gastautor dabei für entscheidend: Offenheit gegenüber dem Umfeld, gegenüber Therapeuten aber auch gegenüber sich selbst, Vertrauen zu seinem Therapeuten und Geduld.

„Was hilft eigentlich gegen Depressionen?“ ist eine Frage, die sich sowohl Patienten als auch Angehörige immer wieder stellen. Leider gibt es darauf keine allgemeingültige Antwort wie bei einem Arm- oder Beinbruch.

Es sind viele Aspekte, viele Faktoren, die der betroffenen Person UND ihrem Umfeld helfen können. Ein paar grundlegende Prämissen für einen Therapieerfolg sind dabei aber immer Offenheit, Vertrauen und Geduld.

1. Offen sprechen

Offenheit gegenüber den Therapien und Therapeuten. Nicht jede Therapie ist für jeden Patienten die richtige. Nicht jedes Medikament wirkt bei jedem gleich gut. Manch ein Patient ist enttäuscht, wenn er nach einer Fülle von Versuchen immer noch kein Medikament gefunden hat, das ihr oder ihm hilft.

So einfach funktioniert die Heilung bei einer psychischen Krankheit eben nicht. Es ist immer eine Suche nach dem individuellen Weg. Das kann bedeuten, gar kein Medikament zu finden, das die Symptome erleichtert (heilt wäre hier der völlig falsche Begriff, denn alleine eine Medikation bringt in den seltensten Fällen einen Heilungserfolg).

Meist ist eine Therapie mit einem Psychiater, Psychologen oder Psychotherapeuten ein viel wichtiger Aspekt. Man muss sich auf unangenehme Wahrheiten einstellen, darauf, dass eine Heilung möglicherweise mit elementaren Einschnitten ins bisherige Leben einhergeht. Denn aus einer psychischen Erkrankung kann auch ein ungesunder Lebensstil resultieren. Und die Offenheit, eine eigene psychische Erkrankung überhaupt zu akzeptieren. Und das in einer Gesellschaft, die zwar vordergründig behauptet, keine Vorurteile mehr gegenüber psychischen Erkrankungen zu hegen, die aber sehr schnell wieder mit Pauschalisierungen bei der Hand ist, wenn es um den Einzelfall oder das persönliche Umfeld geht.

Erst als wir offen meine Krankheit thematisierten, wagten auch andere Betroffene darüber zu sprechen. Erst als mein Buch erschien und ich medial präsenter wurde, sprach man auch im erweiterten Umfeld direkter mit mir über die psychische Erkrankung und was das für mich und mein Umfeld bedeutete.

2. Vertrauen aufbauen

An dieser Stelle tritt nun der Vertrauensbegriff auf den Plan. Auch wenn ich dafür wieder mit Vorwürfen konfrontiert werde und mir Menschen schreiben werden, dass Vertrauen zwar wünschenswert wäre, es daran aber oft mangelt, kann ich sagen: Es braucht unbedingt ein Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Therapeut. Wenn das nicht gegeben ist, wird die erfolgreiche Therapie sehr schwer – wenn nicht ganz und gar unmöglich. Deshalb: Auch wenn es nicht einfach ist, muss man den Therapeuten für sich als geeignet empfinden. Ist das nicht der Fall, hilft alles nichts. Dann gilt es weiter zu suchen. Besser nach längerer Zeit einen Therapeuten finden, dem ich vertraue als den erstbesten zu nehmen, auf den ich gar nicht höre.

Meine persönliche Wartezeit auf einen Therapeuten, dem ich mich auch öffnen konnte, hat über ein Jahr gedauert. Zu lange zwar, aber unabdingbar.

Denn dem Therapeuten sollte ich so weit vertrauen, dass ich ihr oder ihm Dinge offenbare, die ich möglicherweise nicht mal der Familie oder dem Partner anvertrauen würde.

3. Geduld üben

Viele, die hören, dass ein Mensch wegen einer psychischen Erkrankung in einer Klinik oder beim Therapeuten ist, denken, es wäre damit getan und sie oder er ja bald wieder “auf dem Damm”. Hier kommt die Geduld ins Spiel – sowohl beim Betroffenen als auch beim Umfeld. Wieder der Hinweis, dass wir hier nicht von einem Beinbruch reden, bei dem der Heilungsweg in weiten Teilen vorgezeichnet und zeitlich gut planbar ist.

Wie lange eine Therapie dauert, hängt extrem von der zu behandelnden Person ab: Was sind die Symptome? Welches Krankheitsbild habe ich vor mir? Wie viele Zusatzerkrankungen treten auf?

Ich wurde nicht nur mit Depressionen eingeliefert, sondern hatte einen ganzen Strauß von Diagnosen. Schwere, rezidivierende Depression, generelle Angststörung, Agoraphobie, spezifische Phobie. Das überwindet man nicht mal so einfach in vier Wochen. Zumal jede psychische Erkrankung noch mal individuell bei jedem Patienten unterschiedlich ausgeprägt ist.

Ein halbes Jahr stationäre Therapie, dann Termine beim Psychotherapeuten einmal in der Woche. Dennoch würde ich mich noch lange nicht als geheilt bezeichnen. Ich habe jetzt meine Symptome unter Kontrolle, weiß, wie ich meine Angst in den Griff bekomme, wie ich meine Depression nicht mein ganzes Leben beherrschen lasse. Das sind große Schritte aber eben noch lange keine Heilung.

Geduld ist aber auch eine der generellen Herausforderungen für alle Beteiligten. Meine Familie musste sehr viel Geduld mit mir aufbringen und tut es noch heute.

Deshalb hier nochmal ein Plädoyer für Offenheit. Erst als der Elefant im Raum benannt war, erst als uns allen klar war, dass ich nicht einfach eine Charakterschwäche und dadurch Angst und Panikattacken gepaart mit gedrückter Stimmung hatte, erst als klar war, das dies Symptome einer Krankheit sind, war der Umgang für uns alle viel leichter. Und als ich mich entschloss, mit meiner Geschichte nicht hinterm Berg zu halten, sondern vielmehr ganz offen zu kommunizieren, was ich erlebt habe und die Depression und Angststörung beim Namen zu nennen, war das wie ein Befreiungsschlag auch für andere. Wichtig ist nur, sich genau zu überlegen, wem man sich öffnet. Freunde und Familie sind wichtig, der Rest muss es nicht wissen, zumal er es oft nicht versteht.


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