Reisen mit chronischer Krankheit: Mit diesen 9 Tipps sind Sie bestens vorbereitet

Chronische Krankheit und Reisen - geht das denn? Ja und vielmehr: Es lohnt sich! Diese Blogger haben Erfahrung im Reisen mit chronischer Krankheit und zeigen, wie Vorbereitung, Flug und Urlaub am besten gelingen.

19. Juli 2017
Reisen mit chronischer Erkrankung

Gerade wenn man erst vor kurzem die Diagnose einer chronischen Krankheit oder dauerhaften gesundheitlichen Einschränkung erhalten hat, kann einem das Abenteuer „Reise“ unglaublich weit entfernt vorkommen. Doch genau so wie man sich allmählich auf den Alltag mit einer chronischen Krankheit einstellt, ist es ebenso möglich, damit auf Reisen zu gehen.
Wir haben für Sie mit Hilfe von Bloggern, die selbst regelmäßig mit einer chronischen Erkrankung reisen, die wichtigsten Tipps und Tricks für das Reisen mit einer chronischen Krankheit zusammengestellt.

1. Gründliche Recherche vorab

Um keine Hindernisse oder bösen Überraschungen am Zielort vorzufinden, lohnt es sich, vorab gründlich nachzuforschen: Ist mein Hotel barrierefrei? Bietet meine Unterkunft die Möglichkeit, meine Medikamente zuverlässig zu kühlen? Wie weit sind die nächste Apotheke und das nächste Krankenhaus entfernt? Informieren Sie sich im Vorfeld ausgiebig über die Gegebenheiten vor Ort.

Wenn Englischkenntnisse in dem Land, in das Sie reisen möchten, nicht weit verbreitet sind, lohnt es sich außerdem, einige wichtige Sätze, die Ihre Erkrankung und das korrekte Verhalten in Notfällen beschreiben, in der jeweiligen Landessprache zu notieren und diese Notizen mit sich zu führen oder auswendig zu lernen.

Jürgen von Barrierefrei Reisen hat schon in jungen Jahren seine Liebe für das Reisen entdeckt und ist beruflich als Reiseberater für Menschen mit Handicap tätig. Beim Testen von barrierefreien Zielorten profitiert er unter anderem von seinen Erfahrungen als Rollstuhlfahrer. Er rät Personen, die für Ihre Reise einen Rollstuhl oder andere Hilfsmittel benötigen, den Urlaub bei einem spezialisierten Reiseveranstalter zu buchen:

„Spezialisten können auf ein großes Zielgebietswissen zugreifen. Ganz nach den persönlichen Bedürfnissen und behinderungsspezifischen Anforderungen des Reisenden werden die idealen Urlaubsorte und Unterkünfte individuell herausgearbeitet.“

Wichtig:
Kümmern Sie sich unbedingt um eine Auslandskrankenversicherung, die auf Ihre Bedürfnisse angepasst ist. Einen ausführlichen Artikel dazu gibt es zum Beispiel auf dem Blog ‘Travelous Mind‘ von Denise. Denise liebt das Gefühl der Freiheit auf Reisen und tingelt deshalb ständig um die Welt. Sie hat bereits viel Erfahrungen gesammelt und berichtet auf Ihrem Blog über die Ups und Downs des Reisens mit Mukoviszidose. Um optimal vorbereitet in das Abenteuer zu starten, empfiehlt sich unbedingt auch eine Besprechung der Reise mit Ihrem behandelnden Arzt.

2. Die richtige Flugvorbereitung

Beschäftigen Sie sich im Vorfeld mit den Richtlinien, die ihre Airline für die Mitnahme von Flüssigkeiten und Gegenständen, wie z.B. Spritzen, an Bord vorgibt. Um schnell und ohne Probleme durch die Kontrollen zu gelangen, können Sie sich von Ihrem Arzt ein Attest oder einen Medikamentenpass ausstellen lassen. Sabrina von out ‘n‘ about kann ein Lied davon singen. Als sie und Jannis keine Lust mehr auf den tristen Alltag hatten, haben sie sich kurzerhand auf Weltreise gemacht und lassen sich dabei auch von Sabrinas Rheuma nicht bremsen. Ihr Rat:

„Nicht zu vergessen sind die ganzen Nachweise und Bestätigungen, die man sich beim Arzt einholen muss, um zum Beispiel die Spritzen und die Kühlakkus (Flüssigkeiten) im Flieger mit ins Handgepäck nehmen zu dürfen. Auch der Zoll kann bei der Einreise mit Medikamenten ohne diesen Zettelkram Ärger machen. Vordrucke findet man auf der Seite vom ADAC oder auch meist beim eigenen Arzt.“

Fast alle Flughäfen bieten übrigens einen Service für Menschen im Rollstuhl und besonderen Bedürfnissen an. Dafür sollte man sich jedoch rechtzeitig anmelden.

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Dies gilt auch, wenn man andere größere Hilfsmittel und Apparate mitnehmen möchte. Da gerade Langstrecken­flüge körperlich sehr anstrengend sind, kann es helfen, einen festen Sitzplatz z.B. am Gang zu reservieren, um ohne größere Probleme aufstehen und sich strecken oder die Toilette erreichen zu können.

3. Medikamente richtig lagern

Beim Packen und Lagern der Medikamente ist Sorgfalt angesagt. Wichtig bei der Lagerung: Die Medikamente sollten kühl und trocken aufbewahrt werden. Außerdem, da sind sich unsere Blogger einig, sollten in jedem Fall ausreichend Dosen für mehr als die geplante Reisedauer eingepackt werden, denn: unvorhergesehene Ereignisse können eine Rückreise jederzeit verzögern. Denise etwa hat als Tipp:

„Falls du nicht nur mit Handgepäck reist, macht es durchaus Sinn, die Medikamente auf das Handgepäck und das aufzugebende Gepäck zu verteilen: Etwa eine Einwochenration im Handgepäck für den Fall, dass das aufgegebene Gepäckstück verloren gehen sollte. Somit hast du Zeit, entweder auf dein Gepäckstück zu warten oder, insofern es nur nicht direkt auffindbar ist, dir neue Medikamente nachsenden zu lassen.“

Auf Ausflügen und langen Fahrten bis zum Zielort sollten Sie die meisten Medikamente stets dunkel in einer Kühltasche lagern. Denken Sie gleich bei der Ankunft in Ihrer Unterkunft daran, die Medikamente in einen Kühlschrank mit der richtigen Temperatur zu legen. Doch Vorsicht: Viele Medikamente dürfen nicht einfrieren. Daher ist es ratsam, sich über die optimale Aufbewahrungstemperatur der Medikamente auf der Medikamentenpackung oder dem Beipackzettel zu informieren.
Generell gilt bei der Mitnahme von Arzneimitteln auf Reisen: „Mehr ist mehr“ und ein kleines Notfallpaket, das man sich noch zuhause zusammenstellt, kann lebensrettend sein. Steffi von Pep Me Up bezeichnet sich selbst als „absoluten Reise-Junkie“. Auf Ihrem Blog hat sie eine großartige Packliste für Diabetiker zusammengestellt und empfiehlt:

„Für einen spontanen Wochenend-Trip lohnt es sich übrigens, ein kleines Reiseset mit allen nötigen Utensilien parat zu haben. So muss man nicht jedes Mal aufs Neue alles zusammensuchen und packen.“

4. Infektionen vorbeugen

In vielen Ländern, insbesondere außerhalb Europas, ist bei Leitungswasser und Hygiene große Vorsicht angesagt. Vor allem bei bereits vorhandenen chronischen Erkrankungen wirken sich zusätzliche Infektionen noch verheerender aus, als ohnehin schon - besondere Vorsicht ist übrigens geboten, wenn sich Autoimmunsuppressiva unter Ihren Medikamenten befinden. Stellen Sie also sicher, dass Ihr Impfschutz auf dem neuesten Stand ist, trinken Sie nur abgefülltes Wasser und packen Sie immer etwas Desinfektionsmittel mit in Ihren Rucksack.

5. Ausreichend Wasser

Eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung hält fit und wach. Vor lauter neuen Eindrücken vergisst man oft, ausreichend zu trinken, obwohl dies gerade bei großer Hitze, die an vielen Urlaubsorten herrscht, unabdingbar ist. 2 Liter Wasser pro Person sind die ideale Menge zum Mitnehmen, gerade bei Ausflügen in wenig bewohnte Regionen.

6. Nicht nachlässig werden

Im Urlaub schläft man häufig länger, bleibt abends lange aus und hat wichtige Medikamenteneinnahmen deutlich weniger präsent im Gedächtnis als im Alltag. Vor allem, wenn diese an tägliche Routinen, wie z.B. die morgendliche Tasse Kaffee geknüpft sind. Apps wie MyTherapy, kostenlos erhältlich bei Google Play und im App Store, eignen sich daher perfekt, um auch im Urlaub keine Medikamenteneinnahme zu verpassen. Die App erinnert zuverlässig an die Einnahme von Tabletten und Injektionen. Darüber hinaus lassen sich auch Messungen wie z.B. die regelmäßige Blutzuckermessung bequem an Ort und Stelle festhalten und nach der Rückkehr aus dem Urlaub anhand des druckbaren Gesundheitsberichts mit dem behandelnden Arzt besprechen. Nachlässigkeiten bei der Medikamenteneinnahme kennt auch Denise nur zu gut:

„Wichtig ist, dass du nicht abdriftest und vielleicht nachlässig wirst mit deiner Medikamenteneinnahme (ja, das kenne ich zu gut!), dem Sport und deiner Ernährung.“

7. Sonne genießen - in Maßen

An einem traumhaften Urlaubsort möchte man so viel wie möglich vom Tag nutzen. Erschöpfung kommt einem da gar nicht recht – deshalb sollten Sie die pralle Sonne und Mittagshitze lieber meiden. Samira von Chronisch Fabelhaft litt unter der „Diagnose Fernweh“, hat sich erfolgreich an das Abenteuer Backpacking mit MS gewagt und hat als Tipp:

„Meide die Mittagshitze, schütz dich mit Hut und Sonnencreme und evtl. einer Kühlweste/Kühlakkus. Übertreibe es am Anfang nicht mit den Aktivitäten und lass es ruhig angehen.“

Nutzen Sie die heiße Mittagszeit also am besten zur Erholung, Abkühlung oder für ein kurzes Schläfchen im Schatten. Planen Sie Outdooraktivitäten idealerweise in der Morgen- oder Abendzeit. Die atemberaubenden Sonnenauf- und -untergänge werden Sie reich belohnen.

8. In Bewegung bleiben

Entspannung steht im Urlaub natürlich an erster Stelle. Ganz auf Aktivitäten verzichten sollten Sie dennoch nicht: Wir alle neigen auf Reisen zu üppigen Mahlzeiten und liegen gerne den ganzen Tag am Strand, was nicht unbedingt zuträglich für den Kreislauf ist. Versuchen Sie daher, kleine Fitnessübungen in jedem Tag unterzubringen. Seien es Ihre Lieblingsyogaposen am Morgen oder ein wenig Volleyball am Nachmittag.

9. Auf den Körper hören

Hören Sie auf Ihren Körper, denn: Je besser Sie sich fühlen, desto mehr können Sie Ihren Urlaub genießen. Achten Sie darauf, wie gut Sie Speisen und und unterschiedliche Klimazonen wie z.B. Berg- oder Meeresluft vertragen, sorgen Sie für Abkühlung, wenn Ihnen die Hitze zu schaffen macht und planen Sie Ihre Zeit großzügig ein, um hastige Aufbrüche und Stresssituationen zu vermeiden. Für ein langsames Reisen plädiert auch Denise:

„Nimm dir die Zeit, die dein Körper braucht. Hetze nicht von einem Reiseziel zum nächsten, sondern gönne deinem Körper auch die Ruhepausen. Das langsame Reisen ist nicht nur wichtig für deine Gesundheit, sondern ist überhaupt viel schöner, da du viel mehr in die Kulturen eintauchen kannst.“

Die Überzeugung, dass chronische Erkrankungen oder Hilfsmittel wie Rollstühle Reisen unmöglich machen, ist leider noch weit verbreitet. Doch es gibt unzählige Erfahrungen, die das Gegenteil beweisen. Jürgen kennt zweifelnde Kommentare aus dem Umfeld und findet motivierende Worte für andere Menschen mit einer chronischen Erkrankung oder Behinderung:

„Das Wichtigste, was ich in meinen 50 Jahren Lebenserfahrung gelernt habe ist: Lasst euch nicht von anderen sagen oder gar vorschreiben, wie ihr zu leben habt! Macht euer Ding, macht was ihr möchtet!“

In diesem Sinne:

Auch mit einer chronischen Krankheit kann man die vielfältigen Wunder, die unser Planet zu bieten hat, aus erster Hand erleben. Spezialreiseveranstalter bieten individuell zugeschnittene Reisen an und mit genügend Vorlauf und Recherche können Sie in den meisten Ländern auf ausreichend medizinische Versorgung zählen. Und sollte es noch an Mut fehlen, finden Sie auf den oben genannten Blogs hilfreiche Tipps und Tricks, sowie Erfahrungsberichte zum Reisen mit chronischen Krankheiten. Zu guter Letzt noch ein paar ermutigende Worte von Samira:

„Lass dich nicht aufhalten. Selbst wenn du ein größeres Handicap hast: Du kannst einen Weg finden. Es gibt IMMER einen.“

Welche Erfahrungen haben Sie beim Reisen mit einer chronischen Erkrankung oder mit Handicap gemacht? Haben Sie noch einen Tipp für uns? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.


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