10 Tipps für die richtige Ernährung bei rheumatischen Erkrankungen

Anke Mouni Meyer arbeitet seit Jahren als Köchin und Ernährungsexpertin, lebt selbst mit rheumatoider Arthritis und gibt 10 Tipps für die richtige Ernährung bei Rheuma

Anke Mouni Meyer
Anke Mouni Meyer
7. Februar 2018
Tipps für die richtige Ernährung bei rheumatischen Erkrankungen

Es ist kein Geheimnis, dass die richtige Ernährung einen positiven Effekt auf das allgemeine Wohlbefinden und die Gesundheit haben kann. In das Therapie­konzept integriert, lassen sich mit Hilfe der richtigen Ernährung darüber hinaus sogar chronische Krankheiten, wie unter anderem rheumatische Erkrankungen, positiv beeinflussen. Eben diese Erfahrung hat auch unsere Gastautorin Anke Mouni Meyer, die selbst seit drei Jahrzehnten mit rheumatoider Arthritis lebt, gemacht. Durch die Umstellung ihrer Ernährungs­gewohnheiten und gesunde Ernährung hat sie Symptome wie Schmerzen und Entzündungen in den Griff bekommen. Die Köchin und Autorin gibt ihr Wissen und ihre Erkenntnisse gerne weiter und hat im Folgenden ihre 10 Tipps für die richtige Ernährung bei rheumatischen Erkrankungen zusammengestellt, mit denen sie selbst es geschafft hat, ein weitgehend schmerzfreies Leben zu führen.

Immer wieder kommt die Frage auf, wie soll ich mich denn nun ernähren? Lassen sich mit Hilfe der richtigen Ernährung Schmerzen reduzieren? Fördern bestimmte Lebensmittel eventuell sogar Schmerzen und Entzündungen bei rheumatoider Arthritis, Morbus Bechterew und anderen entzünd­lichen Rheuma­formen?
Mit genau diesen Fragen beschäftige ich mich nun schon seit insgesamt 30 Jahren – selbst betroffen von einer rheumatoiden Arthritis. Doch, toi toi toi, ich bin seit vielen Jahren überwiegend schmerzfrei. Meine Lebensqualität hat sich enorm gesteigert und das, obwohl am Anfang nicht alles so rosig aussah. Ich hatte Schmerzen am ganzen Körper, fühlte mich krank und fiebrig, konnte mich nur mühsam bewegen und an Arbeiten war nicht zu denken.
In den achtziger Jahren gab es noch kein Internet und die damaligen Ärzte waren mit dem Thema Ernährung gar nicht bis wenig vertraut. Ich bin glücklicherweise auf Menschen gestoßen, die sich mit fernöstlicher Medizin auskannten und viele der Empfehlungen von damals decken sich zum größten Teil mit den heutigen Erkenntnissen der modernen Ernährungs­medizin.
Doch was ist es genau, das mich weitergebracht hat und könnte es auch etwas für dich sein? Ich begann einige meiner so gern gegessenen Lebensmittel wegzulassen, und andere dafür umso mehr in meinen täglichen Speiseplan aufzunehmen. Hier einige Beispiele und persönliche Tipps für die richtige Ernährung, die es mir ermöglicht haben, trotz rheumatoider Arthritis, ein überwiegend schmerzfreies Leben zu führen.

1. Grünes Gemüse

Grünes Gemüse ist goldwert bei rheumatischen Beschwerden. Denn grüne Gemüsesorten unterstützen die Leber bei der Entgiftung, sorgen für mehr Sauerstoff im Blut und helfen bei der Bildung von Eisen. Daher wurde grünes Gemüse etwas, das ich seit meiner Ernährungs­umstellung ein- bis zweimal täglich zu mir nehme. In der Regel dämpfe ich es und esse es zu meiner Hauptspeise als Beilage. Kohl beispielsweise enthält anti-entzündliches Vitamin C und viele sekundäre Pflanzenstoffe. Weitere grüne Gemüse sind unter anderem Grünkohl, Broccoli, Wirsing, Spitzkohl, Portulak, Feldsalat und auch Wildkräuter – um nur einige zu nennen.

2. Warmes Frühstück

Es wurde mir außerdem zur täglichen Gewohnheit, überwiegend gekochtes Essen zu mir zu nehmen. Ich begann mit einem warmen Frühstück: Haferflocken­porridge, Vollkornreis zu einem dicken Brei gekocht, gekochte Hirse mit Birnen, Chiasamen­pudding – am liebsten mit gerösteten Mandeln, Kürbis- oder Sonnenblumen­kernen. Mit einem warmen und gekochten Essen kannst du dir etwas richtig Gutes tun. Viele meiner KursteilnehmerInnen berichten, dass es sogar schmerzlindernd wirkt – auch der Heißhunger auf Süßes reduziert sich. Probiere es einfach mal aus und spüre selbst, ob es dir guttut.

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3. Eintöpfe aus Hülsen­früchten

Hülsenfrüchte – dazu gehören im wesentlichen Erbsen, Bohnen und Linsen – enthalten viele entzündungs­lindernde Pflanzen­stoffe. Sie lassen sich sehr abwechslungsreich zubereiten und kommen bei mir in allen möglichen Variationen auf den Tisch. Außerdem eignen sich Hülsenfrüchte hervorragend für Eintöpfe und lassen sich daher wunderbar auf Vorrat kochen, in dem man sie in Schraubgläser einmacht. Kichererbsen mit Zwiebeln, Möhren und Pilzen, Kräutersalz und etwas Pesto, Linsensuppen mit Sellerie, Möhren und viel Petersilie, Azukibohnen mit Kürbis im Ofen – alles sehr köstlich.

4. Fisch – ein wichtiger Lieferant von Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungs­hemmend und gehören daher auf jeden Fall zu einer gesunden Ernährung bei Rheuma dazu. Zweimal in der Woche kommt bei mir daher Fisch auf den Tisch. Dabei bevorzuge ich vor allem fettreiche Fischsorten, wie Bio-Lachs, Heilbutt, Hering, Sardinen oder Makrelen, wegen ihres hohen hohen Gehalts an Omega-3-Fettsäuren. Du kannst Omega-3 aber auch in Form von Kapseln einnehmen und du findest sie unter anderem in Leinsamen, Walnüssen, sowie Chiasamen.

5. Getreide – möglichst als ganzes Korn

Hochwertige Kohlen­hydrate wie Vollkornreis, Quinoa, Hirse, Hafer und Gerste sind eine gute Wahl, um den Körper zu stärken. Sie passen gut zu Hülsen­früchten, Fisch und anderen proteinreichen Beilagen wie beispielsweise Tofu. Speziell, um die Entgiftung anzuregen, esse ich ab und zu auch Gerste. Gerste schmeckt zum Beispiel gut als Suppeneinlage und macht sich auch in Eintöpfen sehr gut.

6. Viel Gemüse

Gemüse ist wichtig für den Zellschutz. Sei daher großzügig mit deinem Gemüse­verbrauch. Insgesamt empfiehlt es sich, drei bis vier Tassen Gemüse über den Tag verteilt zu sich zunehmen – du darfst natürlich auch mehr essen. Über das Gemüse bekommst du lebens­wichtige Vitamine wie Vitamin C und E. Sie stärken das Immunsystem, unterstützen den Zellaufbau und schützen uns vor freien Radikalen – sauerstoffreiche Verbindungen, die als Mitverursacher bestimmter Krankheiten wie unter anderem Arthritis gelten. Außerdem wirkt Gemüse basisch. Du wirst es daran merken, dass du weniger Schmerzen hast.

7. Pflanzliche Nahrung

Baue insgesamt mehr pflanzliche Nahrung in deine täglichen Speisen ein. Hast du z.B. schonmal etwas von Tempeh gehört? Tempeh besteht aus fermentierten Sojabohnen und richtig zubereitet, macht es gut satt und passt darüber hinaus hervorragend zu Gemüse und Reis. Du kannst Tempeh beispielsweise braten und mit Sojasauce ablöschen, oder mit einer Mischung aus Wasser, Sojasauce und etwas Ingwer circa 20 Minuten lang einkochen. Schmeckt toll.

8. Misosuppe

Könntest du dir vorstellen jeden Morgen eine Schale Suppe zu essen? Ich esse zum Frühstück fast täglich eine Misosuppe. Miso ist eine Paste aus fermentierten Sojabohnen, Getreide und Salz. Es ist ein traditionelles Produkt aus Japan und in Bio-Supermärkten bekommst du es in bester Qualität. Diese Suppe ist heilsam für den Darm. Sie enthält wertvolle Verdauungs­enzyme und verbessert insgesamt das Körpergefühl, weil sie einer Übersäuerung des Körpers entgegenwirkt. Besonders empfehlenswert ist übrigens Gerstenmiso. Falls dir der Geschmack von Gerstenmiso jedoch zu fremd ist, starte am besten erst einmal mit dem eher milden Shiromiso.

9. Zucker weglassen und trotzdem nicht auf Süßes verzichten

Zucker gehört zu den Nahrungs­mitteln, die man bei rheumatischen Erkrankungen besser weglassen sollte. Denn Zucker verschlechtert das Milieu im Darm und hat auch insgesamt eine schwächende Wirkung auf den Gesamtzustand des Körpers. Zucker raubt dem Körper Mineralstoffe, führt so zu Schwellungen an den Gelenken und macht schwere Beine. Außerdem fördert Zucker Entzündungen und kann bei Rheuma, wenn man regelmäßig zu viele Süßigkeiten isst, eine Quelle für starke Schmerzen sein. Meine Empfehlung ist daher, den Zucker durch Reissirup oder Ahornsirup zu ersetzen. Am besten kochst du dir auch deine Nachtische selbst. Denn nur dann weißt du, was drin ist.

10. Milchprodukte

Vermeide Milchprodukte so gut es geht. Milch verschleimt, führt zu Gelenkschwellungen und wirkt sich ungünstig auf die Darmflora aus, was häufig Blähungen und andere Darmprobleme zur Folge hat. Auffällig ist, dass es vielen Menschen mit Autoimmun­erkrankungen oft viel besser geht, wenn sie auf Milchprodukte weitgehend verzichten. Vielleicht probierst du es selbst einmal aus, ob es dir damit besser geht.

Das Wichtigste zu guter Letzt: Sei lieb zu dir selbst und hab Geduld. Rheumatische Erkrankungen, Entzündungen und Schmerzen verschwinden nicht über Nacht, auch wenn ich mir das früher selbst gewünscht habe, als ich noch starke Schmerzen hatte. Und, wenn du denkst, das schaffe ich alles nicht, taste dich langsam heran und probiere einfach einen von diesen 10 Ernährungs-Tipps aus. Wenn ich es schaffen kann, kannst du es auch und ich verspreche dir: Es lohnt sich!


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