Was ist Multiple Sklerose?

Ursachen, Symptome und Krankheitsbild einfach erklärt: Das ist MS

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Lisa

Enzephalomyelitis disseminata – wie bitte? Klingt geheimnisvoll, aber so wird MS von Ärzten genannt. Das ist Latein und heißt so viel wie im Gehirn und Rückenmark verstreut auftretende Entzün­dungen. Und das erklärt die „Multiple Sklerose“ sehr gut, denn bei der MS greifen Abwehr­zellen des eigenen Körpers die Schutzschicht von Nerven­fasern an. Dadurch kommt es zu einer Entzündungs­reaktion, die die Funktionen der betroffenen Nerven stören kann. Welche Symptome das zufolge hat, welche Ursachen MS zugrunde liegen und wie Sie mit der Diagnose am besten umgehen, können Sie hier nachlesen.

Was passiert im Körper, wenn dieser an MS erkrankt ist?

Bei der Multiplen Sklerose ist das zentrale Nerven­system (ZNS) betroffen – Gehirn und Rückenmark. Mehrere Milliarden Nerven­zellen verarbeiten und transpor­tieren über das ZNS Informationen, die der Körper für seine normale Funktions­weise benötigt. Ähnlich wie Kabel von einer Isolierhülle umgeben sind, werden Nerven­bahnen des ZNS mit Myelin­scheiden geschützt. Sie stellen die Signalüber­tragung sicher. Bei MS wird diese gestört, denn das Myelin wird beschädigt. Schuld daran ist das körper­eigene Immunsystem, das eigentlich fremde Krankheits­erreger abwehrt, bei der MS aber unsere Myelin­schicht um die Nerven angreift. Dadurch entstehen Entzün­dungen an mehreren, multiplen Stellen im Körper.

Diese „Autoimmun­reaktion“ führt zu Narben im Nerven­gewebe, die man „Sklerose“ nennt. Da immer verschie­dene Nerven im Körper von der Autoimmun­reaktion betroffen sein können, haben MS-Patienten sehr unterschied­liche Symptome.

Multiple Sklerose: Ursachen

Eines vorab: Die MS ist nicht ansteckend. Die genauen Ursachen der Erkrankung sind noch nicht vollumfänglich geklärt. Es wird global intensiv geforscht, daher kann man einige mögliche Faktoren, die das Auftreten von Multipler Sklerose begünstigen, bereits nennen. Viele Untersuchun­gen lassen eine Kombination aus Umweltein­flüssen und Erbanlagen vermuten.

Sicher ist, dass die MS keine Erkrankung ist, die genetisch von einer Genera­tion zur anderen weitervererbt wird. Das Risiko, als Kind eines MS-Patienten ebenfalls die Diagnose zu erhalten, ist gering höher als bei anderen Personen (Wahrschein­lichkeit liegt bei ca. 2% vs. 0,1%). Es ist ein Hinweis darauf, dass erbliche Veranla­gung die Erkrankung an MS begünstigt – ebenso auffällig ist, dass Multiple Sklerose weltweit nicht gleich­mäßig verteilt, sondern regional und Ethnien-abhängig auftritt.

Da MS häufig in höheren Breiten­graden zutage tritt, wird untersucht, welche Auswir­kungen die Sonnen­einstrahlung haben könnte. Denn Richtung Äquator treten weniger Fälle auf – dort, wo Menschen mehr Sonne genießen und Vitamin D aufbauen. Für Vitamin D konnten experi­mentell entzündungs­hemmende Effekte beobachtet werden.

Andere Faktoren, die eng mit dem Lebensstil verbun­den sind, können das Risiko ebenfalls reduzieren. Dazu gehören Rauchen und Ernährung. Verdächtige Auslöser sind laut aktueller Forschung einige Viren – welche das sind und wieso das Immun­system der Wissen­schaft Rätsel aufgibt, können Sie in einem unserer anderen Blog-Posts nachlesen:

„Ist Multiple Sklerose vererbbar?“ – Genetik und andere Puzzle­teile der MS

Krankheitsbild: Symptome der MS

Man nennt die Multiple Sklerose auch die „Erkran­kung mit vielen Gesichtern“, d.h. es gibt keinen charakteris­tischen Verlauf, keine klassischen Symptome. Trotzdem sind hier ein paar häufig in Erschei­nung tretende Symptome aufgelistet:

Diagnostik – Habe ich MS?

Weltweit sind etwa 2,5 Millionen Menschen an der MS erkrankt – davon sind 70% Frauen. In Deutschland liegt das Risiko der Erkran­kung zwischen 0,1 und 0,2%.

Da die Symptome so unterschiedlich sein können, ist es möglich, dass viele frühe An­zeichen auch anderen Krank­heiten zugeordnet werden können. Um MS feststel­len zu können, bedarf es also einer Ausschluss­diagnose. Der Arzt nimmt sich als Erstes eine umfassende „Anamnese“ vor – das ist eine weitläufige und penible Erfassung Ihrer Krankheits­geschichte – sowie eine Auswahl von Untersuchungs­methoden. Darunter eine neuro­logische und körperliche Unter­suchung, die Feststel­lung evozierter Potenziale (Nervenleit­fähigkeit), eine Lumbal­punktion (Nervenwasser­gewinnung) und eine Magnetre­sonanztomo­graphie (MRT, Kernspinresonanz-Tomographie des Gehirns und des Rückenmarks). Als Orientierungshilfe können Ärzte international anerkannte Diagnose­kriterien (die McDonald-Kriterien) anwenden, um die Feststellung der Erkran­kung zu stützen.

Je mehr andere Erkrankungen ausge­schlossen werden können und wenn MS als einzige Lösungs­möglich­keit übrig bleibt, sobald die einzelnen Puzzle­teile der Untersu­chungsergeb­nisse zusammengelegt werden, desto genauer lässt sich die Multiple Sklerose letztendlich diagnosti­zieren.

Die große Mehrheit der Patienten, die die Diagnose Multiple Sklerose erhalten, sind zwischen dem zwanzigsten und vierzigsten Lebens­jahr daran erkrankt.

Therapie – so wird MS behandelt

Obwohl es noch keine Heilung für die Multiple Sklerose gibt, kann man sie heutzu­tage gut behandeln. Neurologen fokussieren sich bei der Wahl der Therapie­maßahmen auf zwei Behandlungs­ziele.

  • Schubtherapie: Milderung des akuten Schubs. Zur Entzündungs­hemmung wird meistens hochdosiertes Kortison verwendet.
  • Immunprophylaktische Therapie: Die Anzahl und die Schwere der Schübe sollen reduziert werden. Diese Art der Therapie zielt darauf ab, eine mögliche spätere Behin­derung abzuwenden oder hinauszuzögern – daher wird so früh wie möglich damit angefangen. Um den Schüben vorzubeugen, unterscheiden Nerven­ärzte zwischen unterschied­lichen Stufen der Therapie.

Basistherapie bei einer milden bzw. moderaten Verlaufs­form der Multiplen Sklerose

Dabei werden sogenannte Beta-Interferone oder Glatira­meracetat eingesetzt. Das sind immun­modula­torische Medikamente, die die Arbeits­mechanismen des Immun­systems regulieren. Seit einigen Jahren sind außerdem die Wirkstoffe Teriflunomid und Dimethyl­fumarat für die Therapie von MS-Patienten mit schubför­migem Verlauf auf dem europä­ischen Markt zugelassen. Diese Mittel haben entzün­dungshem­mende Eigen­schaften.

Eskalationstherapie

Patienten mit sehr vielen und schweren Schüben, die in kurzen Zeitab­ständen auftreten bzw. Patienten mit einem hochaktiven MRT-Bild oder auch MS-Patienten, die nicht aus Basisimmun­therapeutika ansprechen, benötigen eine Eskalations­therapie. Therapie­mittel dieser Behandlungs­stufe sind wirksamer, aber auch risiko­reicher.

Lassen Sie sich vom Arzt Ihres Vertrauens beraten, welche Maß­nahmen ergriffen werden müssen, um den Verlauf Ihrer MS zu regulieren. Dieser Blog dient lediglich als Informations­plattform und gibt keine Ratschläge zu Behandlungs­methoden.

  • Natalizumab: Bei diesem Wirkstoff handelt es sich um einen mono­klonalen Antikörper, der während einer monat­lichen Infusions­therapie zugeführt wird. Er verhindert das Einwandern von weißen Blutkör­perchen (Immunzellen) in die Entzündungs­herde im zentralen Nerven­system.
  • Alemtuzumab: Auch Alemtuzumab ist ein mono­klonaler Anti­körper, der nachhaltig T- und B-Zellen (Immunzellen) eliminiert.
  • Immunsuppressiva: Diese kommen sehr selten zum Einsatz. Da sie in die Herstel­lung und Reifung des Blutzell­systems eingreifen, sind häufige Blutbild­kontrollen bei dieser Therapie­maßnahme nötig.
  • Mitoxantron: Der Wirkstoff wird verwendet, um den Verlauf einer sekundär progredienten MS aufzuhalten. Eine andere oder ergänzende Option dazu sind rekur­rierende Kortison­pulstherapien.

Bis zum Veröffentlich­ungszeit­punkt dieses Beitrags gibt es allerdings noch keine effektiv wirk­samen Therapiemit­tel gegen das Fortschreiten der primär-progredienten Verlaufs­form.

Prognose und Verlauf der MS

Wieder gibt es keine Liste mit Stadien der MS-Erkrankung, die man über­individuell abhaken könnte. Man kann aber von einem charakter­istischen Krankheits­bild sprechen. Dieses beginnt meist in Schüben. Der Patient ist von Zeit zu Zeit ohne Beschwer­den – was sogar jahre­lang anhalten kann. Symptome setzen dabei plötzlich und ohne ersichtlichen Grund ein und klingen nach spätestens wenigen Wochen vollständig wieder ab. Dieses gelegent­liche in-Erscheinung-treten der MS-Symptome bezeichnet man als den „schubförmig-remittierenden Verlauf“ der Krankheit.

Beispielhafte Verlaufskurven von MS-Schüben

Anschließend geht die Erkrankung in einen sogenannten sekundär progre­dienten Verlauf über. Progredient = Fortschreitend. Die Behinderungen, die im Krankheits­verlauf zutage treten, bilden sich nicht mehr vollständig zurück, sondern nehmen auf unab­hängig davon, ob ein Schub auftritt, immer weiter zu. Es lässt sich nicht genau bestimmen, ab welchem Zeitpunkt Beschwerden sich nicht mehr zurückbilden. Therapie­mittel, die in das Immun­systeme eingreifen, können diesen Punkt im Krankheits­verlauf allerdings hinauszögern.

Dagegen tritt bei etwa zehn bis 15% aller Menschen mit Multipler Sklerose die primär progre­diente Verlaufsform auf. Hierbei nimmt die Behinderung konstant zu und es lassen sich keine erkenn­baren Schübe im Krankheitsverlauf abgrenzen. Bei Patienten mit primär progredientem Verlauf setzt die Multiple Sklerose sehr spät ein – meist ab dem vierzigsten Lebens­jahr.

Informationen zum Nachlesen finden Sie auch auf diesen Seiten


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