Leben mit Depression: Diese 13 Blogger schreiben, was ihnen durch den Kopf geht

Liste deutscher Blogs, die offen mit Depression umgehen – diese Menschen erklären, dass „depressiv“ mehr als nur „traurig“ ist

Lisa Kessner
Lisa Kessner
8. September 2020
Silhouette einer Person an einem Fenster: Titelbild zum Blog-Post über  Depression

Die Diagnose „Depression“ trifft hart. „Depressiv? Ich doch nicht“, denken viele Menschen, die während­dessen im Arztzim­mer sitzen. Dass die Depression eine ernste Krank­heit ist, wird heute erkannt und verstan­den: Sie geht nicht vorüber wie Traurig­keit. Dennoch wird allerorts darüber geschwie­gen. Wenige wissen, welche neurobiologischen Ursachen sich hinter den Stim­mungstiefs verber­gen oder wie Menschen mit Depress­ionen damit umgehen. Diese Blogger teilen ihre Erfahr­ungen mit Ihnen, gehen auf Fragen ein und schreiben tolle lesens­werte Artikel, die Ihnen Informa­tionen und Einblicke in die Gedanken von Personen geben, die täglich mit Depressionen leben.

Charis‘ Lifestyle

In diesem Blog geht es ums Glücklich­sein. Charis teilt auf ihrem Mental Health Blog ihre Erfah­rungen mit De­pressionen und Border­line. Die Blog-Posts lesen sich wie Tage­bücher – die Einträge halten gesehenes, gedachtes und gefühltes fest. Charis schreibt darüber, wie ihre Depress­ion sich in ihrem Alltag äußert und wie die Erkran­kung an Border­line in ihr Gefühls­leben mit hineinspielt. Die Posts handeln davon, wie die Depress­ion Charis‘ Alltag beein­flussen. Sie enden oft mit dem Appell, sich daran zu erinnern, dass es okay ist, keinen guten Tag zu haben. Dafür sei es wichtiger, Momente guter Laune auszu­kosten, denn „manchmal findet man das, was man gerade braucht, genau da wo man es nie vermu­tet hätte“.
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Dare to be mad

Yvonne ist Dipl.-Sozialarbei­terin mit Zusatzaus­bildung in Gestalt­therapie – und eine Patientin, die sich mit Depress­ionen und Hochsen­sibilität auseinan­dersetzt. Obwohl sie den Beruf nie aktiv ausgeübt hat, vermissen Leser keine fundierten Hinter­grundinfor­mationen zu den Themen Depression, Ängste oder Trauma: Yvonne räumt mit Halbwis­sen auf und gibt nicht nur in ihrem Blog wertvolle Tipps, sondern sie hat auch ein Buch geschrieben: „Geh mir weg mit deiner Lösung – Vom Umgang mit depressiven Menschen“. Dazu gewährt sie auf ihrer Website offene und ehrliche Einblicke in ihr privates Leben und den Umgang mit ihrer Diagnose.
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Fräuleins wunderbare Welt

Fräulein – oder Frauke – teilt Rezepte, macht tolle Urlaubs­fotos und schreibt über dies und das. Mit dem Blog­gen angefangen, hat sie 2013, denn in diesem Jahr erhielt sie die Diagnose mittel­schwere bis schwere Depress­ion. In ihrem Blog können Sie verfolgen, wie es ihr seitdem ergangen ist. Dabei widmet sie der Rolle der Erkran­kung und dem Thema Resilienz, der seelischen Widerstands­kraft.
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Hoffnungsschein

Gänseblümchen der Woche. Das sind die kleinen Freuden und Lichtblicke, die Annie in ihrer Woche sammelt und auf ihrem Blog an die Leser weitergibt. Ein gutes Buch, ein Spazier­gang und Eiscreme, Zeit mit Freunden. All das kann ein Gänse­blümchen für die Seele sein. Dabei gibt sie auch Erfahrun­gen weiter, wie sie ihre Diagno­sen – Depression und Border­line – handhabt, indem sie beispiels­weise darüber schreibt, wie schwer die Suche nach dem perfekten Therapie­platz tatsächlich ist.
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Learning to live

Dieser Blog ist gespickt mit Kurz­geschichten, Beobach­tungen des Alltags und aus der Therapie. Madeline hat die Diagno­sen Dysthymie und rezidi­vierende depressive Störung erhalten. Das heißt, dass sie über Jahre mit gedrückter Stim­mung lebt. Madeline hat Freude am Kreativen Schreiben und so ist das Bloggen zum Teil ihrer Therapie geworden. Dadurch fordert sie auch andere auf, sich Hilfe zu suchen. Denn das ist der erste Schritt in ein selbst­bestimmtes Leben.
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Lieblingsmensch.ME

Annegret hat gelernt, wie sie über die Stolper­steine in ihrem Leben springt – und das hat sie in ihrem Blog notiert: Um zu teilen und um nichts zu ver­schweigen. Sie war zwei Jahre lang Mitgefühls-Coach und Resilienz-Trainerin, hat andere Men­schen mit psychischer Erkran­kung dabei unterstützt, sich selbst zu lieben und in dieser Zeit hat sie ein eigenes Resilienztraining erstellt. Damit greift sie Betrof­fenen bei der Überbrückung von Therapie­wartezeiten unter die Arme. Im Herbst 2018 hat Annegret ein neues, soziales Unternehmen gegründet: „die erfahrungsexperten“ – das ist ein Team, das seine Psychiatrie- und Krisen­erfahrungen u.a. in Gestalt von Workshops oder Beratung an andere weitergibt. Ziel: Die defizitäre Sicht auf Menschen mit psy­chischer Erkran­kung soll in unserer Gesell­schaft nachhaltig und positiv verän­dert werden.
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Living the future

Dieser Blog hat die Zukunft im Fokus – Uwes Zukunft. Diese stand aufgrund der diagnos­tizierten schweren De­pression ganz nach an einem Abgrund. Um andere Betrof­fene davon abzuhalten, in diesel­be Leere zu starren, bloggt Uwe. Außerdem hat er ein Buch geschrie­ben, hält Vorträ­ge, gibt Interviews zum Thema Depress­ion und Angst­störung. Es liegt ihm am Herzen, sich gegen die soziale Stigma­tisierung von psychisch­en Erkran­kungen einzusetzen. Aus diesem Grund hat er eine erfolg­reiche Petition zur Entschär­fung des bayerischen Psychiatrie­gesetzes angestoßen – damit Menschen, die bei ihrer Depression Hilfe benötigen, auch welche erhalten.
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Madlèn Bohème

Travel, Yoga & Mindstyle sind die Themen dieses inhalt­lich und optisch ansprech­enden Blogs. Madlen schreibt aber nicht nur über die schönen Dinge, wie ihre Liebe zum Outdoor­sport, Musik oder nachhal­tige Kleid­ung. Sie nutzt den Blog auch als ein Tage­buch ihres psychi­schen Wohlbe­findens. Hier hält sie Erfahr­ungen mit ihrer mittel­schweren Depression und einigen Therapie­formen fest. Und der Apfel fällt nicht weit vom Stamm – auch ihre Mutter hat über ihre eigenen Gedan­ken zum Thema auf dem Blog geteilt. Die Basis für psychische und körper­liche Gesundheit, – so Madlen – das ist die Liebe zu sich selbst und Acht­samkeit. Mit diesem Blog, ihrem Podcast und dem 2018 gegrün­detem Leipzig Selflove Club zeigt sie, wie man Selbst­liebe lebt.
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Mut-Fass-Blog

Hier schreiben viele. Und alle teilen dasselbe Ziel: Sie wollen ihre Erfahr­ungen mit Depressionen teilen, anderen Men­schen Hilfe zur Selbst­hilfe anbieten und dafür sorgen, dass psychische Erkran­kungen die gesellschaftliche Aufmerk­samkeit erhalten, die ihnen gebührt. Im „Gedan­kenzirkus” wird Persön­liches zu Depressionen geteilt, die Sparte „WISSEN-SCHAFFT-MUT“ klärt zu medizin­ischen Themen der Depression und Selbst­hilfe auf. Der Blog ist Teil der „MUT-TOUR“, Deutschlands erstem Aktions­programm, bei dem sich Menschen mit und ohne Depressions­erfahrung auf Tandems und beim Wan­dern durch ganz Deutsch­land bewegen. Dabei leisten sie durch ermu­tigende Öffentlich­keitsarbeit einen Beitrag für mehr Offen­heit im Umgang mit Depression: Gespräche am Straßen­rand und zahlreiche Zeitungs­berichte wecken Aufmerk­samkeit für ihre Belange.
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MyTherapy Stimmungstagebuch

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    Nora Fieling – Ja zum Gefühl

    Nora lässt Gedan­ken zu Worten werden – sie fragt: Muss ein Mensch mit einer psychischen Erkran­kung Verständ­nis für alle anderen Perso­nen mit einer sol­chen Diagnose haben? Was können Angehö­rige bei selbstverletz­endem Verhalten tun? Kein Thema kennt ein Tabu. Bei Nora wurden Depress­ion, Border­line und eine generali­sierte Angst­störung mit Panik­attacken festgestellt. Schon als Kind war sie oft traurig und grüb­lerisch. Später kamen lebens­müde Gedanken hinzu. Nach der Diagnose durchfors­tete sie das Internet – und fand nicht viel, das weiter­half. Auf ihrem Blog sammelt sie alles, was sie selbst gerne gelesen hätte: Informa­tionen zu Selbst­hilfe und charmante Posts, die Mut zusprechen. Am 01.10.2020 ist ihr Buch „Depression - und jetzt? Weg­weiser einer Erfahrungsexpertin“ beim Starks-Sture-Verlag erschienen. Denn niemand soll sich für seine inneren Konflikte schämen und sich damit allein fühlen müssen.
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    Schwarze Lilie

    Jenni nutzt den Blog, um ihre Erleb­nisse zu verarbeiten. Bei ihr wurde eine mittel­gradige, rezidivierende Depression diagnostiziert. Sie hofft, dass andere sich in ihren Einträ­gen wiederfinden können und möchte durch ihre Website Perso­nen mit derselben Erkran­kung ihre Hilfe anbieten. Auch andere Themen, die den Lebens­weg von Menschen stark beein­flussen, aber gesell­schaftlich tabuisiert werden, spricht Jenni offen an: Suizid­prävention, Mobbing und Hilfe im sozialen Umfeld oder das Gefühl der Einsam­keit. Jennis Credo ist: Reden hilft.
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    Schweinehund knutscht Depression

    Hendrik kommt aus Hamburg, liebt Arbeit, Sport, Musik und ist rhetorisch sehr begabt. Als vor einigen Jahren eine seltene neurode­generative Erkran­kung, die sog. Friedreich-Ataxie bei ihm diagnos­tiziert worden ist, machte er sich sein letztge­nanntes Talent zunutze und trug in seinem Blog zusam­men, wie er aus seinen finsteren Gedan­ken wieder heraus­gefunden hatte. Regel­mäßig schreibt Hendrik über alles, was ihm durch den Kopf geht und hat dazu auch ein Buch veröffent­licht: „Karma, wir müssen reden“.
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    Verbockt

    Das Leben hat für Markus das ein oder andere verbockt. Denn bei Herrn Bock (Nachname – Achtung Wortspiel!) wurde Depress­ion diagnostiziert. Lange hat er versucht, die Depressionen auszu­blenden: Überwin­den durch Verges­sen hieß die Strategie, die letztlich fehl­schlug. Denn Markus Bock hat erkannt, dass ein freier Umgang mit der Diag­nose ihm die größere Hilfe ist. Auf seinem Blog gibt er tiefe Einblicke in seinen Alltag, Bewältigungs­strategien und er regt zum Nach­denken an. Gleichge­sinnte können seine Einträge als Unter­stützung verstehen und sich an der ein oder anderen Stelle wieder­erkennen. Ebenfalls in Vor­trägen und in seinem Podcast möchte Markus als „Sprach­rohr für Betroffene“ fun­gieren und aufklären, welche Gedan­ken und Gefühle Men­schen mit Depressionen beschäftigen.
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